Wer bestimmt eigentlich, wie Ihr Leben aussieht? Auf den Spuren der Selbstbestimmung

Wer bestimmt eigentlich, wie Ihr Leben aussieht? Auf den Spuren der Selbstbestimmung

Häufig begegnen mir Menschen, die offensichtlich nicht zufrieden damit sind, wie ihr Leben aussieht. Sie fühlen sich getrieben von den Anforderungen und Wünschen von Kollegen, Kunden, Freunden, dem Chef oder dem eigenen Partner bzw. der Partnerin.

Dabei vergessen die meisten von diesen Leuten aus meiner Sicht, dass sie selbst in so gut wie jeder Situation die Möglichkeit haben, sich für einen anderen Weg zu entscheiden – und damit die Weichen auf ein anderes und hoffentlich besseres Leben nach den eigenen Wünschen stellen. Hin zu mehr Selbstbestimmung anstelle von Fremdbestimmung.

Oft höre ich dann: Ja, du hast Recht, ABER…

… bei mir ist das anders / geht das nicht
… in unserer Firma ist das nicht gewünscht
… die Anderen lassen mich nicht

Fest steht für mich, wenn Sie die Entwicklung, die Ihr eigenes Leben nimmt, nicht selbst beeinflussen, dann tun es die anderen für Sie. Ist Ihnen bewusst, dass Sie dann Ihr Leben dafür hergeben, das zu tun, was andere Menschen von Ihnen erwarten (oder was Sie zu erwarten glauben)?

Für all die Jammerer, Nörgler und Unzufriedenen, die sich gerne beschweren, unzufrieden sind, aber an ihrer Situation und ihrem Leben nichts ändern wollen, habe ich eine Geschichte für Sie. Die Geschichte handelt von einem Menschen, der trotz vieler Schicksalsschläge stets daran glaubt, sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und das Beste daraus machen zu können.

Aufgewachsen am Busen der Natur

Naja, eigentlich eher am A… der Welt. Der Junge und spätere junge Mann, um den es in dieser Geschichte gehen soll, wächst in einer idyllischen, ländlichen Gegend auf. Liebevolle Eltern, die kein finanzielles Geschick haben und für das Wort „Gesundheit“ etwas ist, das sie scheinbar nicht selbst beeinflussen können, tun alles dafür, dass es dem Jungen an nichts fehlt.

Beide Eltern sind berufstätig und so verbringt der Junge viel Zeit allein, beziehungsweise bei und mit den Großeltern.

Bekanntlich bestimmt das familiäre Umfeld während der Jugend maßgeblich, wie gut die Chancen für einen Menschen stehen, privat und beruflich erfolgreich zu sein. Demnach können wir von unserem kleinen Knirps in Zukunft wohl nicht allzu viel erwarten. Oder?
Dazu kommt noch, dass seine Eltern später sehr früh an so genannten Zivilisationskrankheiten sterben werden: Im Alter von 53 und 59.

„Bedenklich ist weiterhin sein Hang zur Unordnung!“

Schüler sein ist schon hart. Fand findet zumindest der heranwachsende Junge, der sich durch die ersten sechs Schuljahre quält. Mit Vorliebe lässt er sich ablenken, „vergisst“ die Hausaufgaben und wann immer es etwas gibt, das er verlieren oder durcheinanderbringen kann, bekommt er das mit Bravour hin.

Von seinen Mitschülern wird er regelmäßig mit dem Lied „Hänsel und Gretel“ veräppelt, denn so wie die sich im Wald verliefen, verliefen sich auch Hefteinträge, Arbeitsblätter und andere Dinge im Schulalltag des Teenagers.

… Fertigt schriftliche Arbeiten stets unzureichend oder gar nicht an
… sollte vom Elternhaus beständige Kontrolle erfahren
… Bedenklich ist weiterhin sein Hang zur Unordnung

Das sind nur zwei Zeugnis-Bemerkungen, die es über ihn zu lesen gibt. Rückblickend wird er keine Erklärung dafür finden, was ihn denn so nachhaltig von seinen schulischen Aufgaben abgelenkt hat.

Sicher wird es daran liegen, dass es die Lehrkräfte nicht schaffen, ihm einen interessanten und wertvollen Unterricht zu präsentieren. Denn klar ist: Schuld sind doch immer die anderen. Oder?

Jedenfalls schafft unser kleiner Schlendrian mit einer Ehrenrunde gerade so den Sprung zur Mittleren Reife und hat, wie viele andere junge Menschen nach der Schule nicht den Hauch einer Ahnung, was er danach tun soll.

Die Fachrichtung „Werken und Kunsterziehung“ in der er die Mittlere Reife abgeschlossen hat, deutet zumindest nicht auf einen zukünftigen Beruf hin, mit dem sich ein geregeltes und anerkennenswertes Zubrot verdienen lässt. Nicht nur einmal hört man, wie diese Fachrichtung als „Strick-und-Töpfer-Diplom“ bezeichnet wird.

Großartige Aussichten!

Das Arbeitsamt sagt: Werde Pferde- oder Fischwirt!

Weil der Bub nun wirklich gar keine Idee hat, wie er später seinen Lebensunterhalt verdienen soll oder was ihn interessieren könnte, schleppt ihn die Oma zur Berufsberatung. Mittels Software, in die er seine Stärken und Interessen einträgt, erhält er zwei Berufe als Vorschlag, von denen er bis dahin noch nie und auch danach nie wieder etwas gehört hat: Pferdewirt und Fischwirt.

Die Möglichkeit, ein Praktikum zu machen hat er während der Schulzeit verschlafen und so bleibt ihm nur, der Empfehlung des Onkels zu folgen, der seit Jahren in einem großen Industrieunternehmen arbeitet. Dort würden ständig Azubis gesucht und man hat es nicht weit von zu Hause aus.

Das klingt nach guten Argumenten für einen Job, dem man später mal gern und lange nachgehen will und in dem man gut ist.

Krebs & Hirninfarkt: Die Ärzte tun, was sie können – aber reicht das?

Im Alter von gerade einmal 26 schlägt der Krebs zu. Lymphdrüsenkrebs wird diagnostiziert, nachdem Wasser in der Lunge des jungen Mannes festgestellt wird. Schon einige Tage zuvor hatte er Schwierigkeiten beim Atmen und Gewichtszunahme bemerkt – sich dabei aber zunächst nichts gedacht.

Ein bisschen proper war er ja schon immer und erst letztes Wochenende beim Fußball ist er mit einem Gegner zusammengestoßen. Das ist sicher nichts Ernstes, hat er sich gedacht.

Diese Krebsart, die unseren Pechvogel heimsucht, ist recht typisch für dieses Alter, da sich die Körperzellen noch rasch teilen. Im 3. Stadium hat der Krebs bereits den gesamten Ober- und Unterkörper besiedelt und wird im 4. Stadium durch das Rückenmark ins Gehirn wandern – das war es dann.

Glücklicherweise bedeutet eine hohe Aggressivität bei Krebs auch meist, dass er gut zu behandeln ist. Sechs Monate Chemotherapie helfen dem Mann wieder auf die Beine. Die Heilungschancen betrugen beruhigende 90%. Allerdings beschädigt die Therapie sein Immunsystem nachhaltig, was von den Ärzten aber niemand recht beachtet. Schließlich ist das in der Anfangszeit typisch für diese Therapieform.

Vier Jahre später kommt es zu einer Verkettung äußerst unglücklicher Umstände: Der mittlerweile 30-jährige Mann in der Hauptrolle seines Lebens verletzt sich mit einem banalen Ohrenstäbchen das Trommelfell und geht am selben Tag ins Schwimmbad.

Ein kleines aber fieses Bakterium, das zur Gattung Ureaplasma gehört, gelangt vermutlich über das Wasser im Schwimmbad in ein Ohr. Diese Bakterien können Bestandteil der Genitalflora bei Männern und Frauen sein. Das ist deshalb wichtig, weil deshalb nun wirklich keiner damit rechnen kann, diese Viecher in einem Ohr zu finden.

In der Folge versagen insgesamt vier Antibiotika ihren Dienst am Ohr und das Bakterium kann sich bis ins Gehirn ausbreiten, wo es die Thrombose eines wichtigen Blutgefäßes verursacht. Begleiterscheinungen davon sind sehr starke Kopfschmerzen, verminderte Lesefähigkeit und eine teilweise Gesichtslähmung.

Dass sich die Bakterien in der Blutbahn angesiedelt und ungefähr 15% der Masse der linken Gehirnhälfte angegriffen und zerstört haben, bemerkt man erst sehr spät. Und so steht nach drei Gehirnoperationen fest: Hatte der junge Mann bei seiner Krebserkrankung noch eine Überlebenschance von 90% so stehen sie nun leider nur noch bei mageren 10%.

Um die Auswirkung der auftretenden Hirnschwellung zu vermindern, wird er ins künstliche Koma versetzt.

Letztlich waren die Rettungsversuche erfolgreich und nach sieben Monaten stationärer Behandlung darf der Unglücksrabe das Krankenhaus verlassen – Nachwirkungen der Krankheit und der Operationen sind nach wie vor eine massive Leseschwäche, starker und plötzlicher Schwindel und häufige Wortfindungs-Störungen.

Die Kunst, aus diesen Zutaten ein schmackhaftes Gericht zu zaubern

Das Leben über das ich hier schreibe, dauert nun knapp 34 Jahre und ich fasse kurz zusammen, welche „Zutaten“ sich bisher in unserer Lebens-Wundertüte befinden: Ein nicht optimales Elternhaus an dessen Ende beide Elternteile viel zu früh diese schöne Erde verlassen mussten.

Ein schulische Laufbahn, die nicht gerade hoffen lässt, dass dabei ein Beruf herauskommt, den Eltern sich für ihren Sprössling wünschen. Zum Schluss noch zwei lebensbedrohliche Krankheiten, bei denen der Ausgang keineswegs vorauszusehen war.

Ich schlage vor, wir mischen das alles zusammen, würzen es mit positivem Denken, einem guten sozialen Umfeld bestehend aus Familie, Freunden und tollen Kollegen, Zielen und viel harter Arbeit an diesen Zielen.

Und das ist bisher dabei herausgekommen: Der Mann, über den ich hier schreibe, hat eine Berufsausbildung als Molkereifachmann als Jahrgangsbester in Bayern abgeschlossen. Ebenso die Meisterschule.

Ohne universitäres Studium arbeitet er seit über zehn Jahren im Qualitätswesen und aufstrebende Führungskraft, die spätestens im kommenden Oktober die Gesamtleitung eines Qualitätsbereiches übernehmen darf.

Nebenberuflich betreibt er dazu noch einen Blog zum Thema Qualitätsmanagement und seit ein paar Wochen einen Podcast zum gleichen Thema.

Spätestens jetzt wissen die meisten von Ihnen, dass der junge Mann, über den ich hier schreibe, ich selbst bin.

Mehr Selbstbestimmung: Was ich Ihnen mit dieser Geschichte sagen will

Ich schreibe das alles nicht, weil ich irgendein Trauma zu verarbeiten habe. Auch möchte ich Ihnen nicht vor Augen führen, was ich doch für ein toller Hecht bin.

Mit Sicherheit gehören zu meinem Leben auch Glück und Personen, die mich gefördert haben. Aber beides nützt einem nichts, wenn man Gelegenheiten, die sich einem Bieten, nicht selbst am Schopf packt und man davon ausgeht, dass andere Menschen einem die guten Dinge des Lebens vor die Füße legen.

SIE selbst müssen aktiv werden! Es macht mich wütend und traurig, wenn ich manche Menschen voller Frustration und ohne Plan über ihr eigenes Leben reden höre. Viele von ihnen sind völlig fremdbestimmt und getrieben von der Außenwelt. Sie gehen davon aus, dass sie selbst an ihrer Situation nichts verändern können.

Mit meiner Geschichte möchte ich Ihnen zeigen, dass man, wenn man ein Ziel hat und den Möglichkeiten, die sich uns bieten positiv gegenübersteht, viel mehr erreichen kann, als wenn man wartet, bis einen die Schicksalsschläge umhauen.

Man spricht von Schicksalsschlägen immer im negativen Sinn. Klar, es gibt auch Beispiele von Menschen, denen die guten Dinge des Lebens scheinbar ungefragt zufliegen. Aber das sind Ausnahmen.

Deshalb möchte ich an Sie appellieren, dass Sie folgendes erkennen: Sie sind die Person, die den größten Anteil daran hat, wie sich Ihr Leben entwickelt! Niemand anderes.

Sabine Asgodom hat auf einem Vortrag bei Gedankentanken.com einmal sinngemäß folgenden Vergleich gebracht:

Das Leben ist wie Tennis. Wie das Schicksal aufschlägt, können wir nicht beeinflussen. Aber wir können beeinflussen, wie wir zurückschlagen!

Ich möchte Ihnen zum Abschluss eine kleine Aufgabe mit auf den Weg geben. Bevor Sie das nächste Mal über Ihr Leben und Ihr Umfeld nörgeln, stellen Sie sich die Frage, was Sie konkret und sofort ändern könnten, um die Situation zu verbessern. Manchmal ist es nicht die Situation, die wir verändern können. Es genügt schon, wenn wir einen anderen Blickwinkel auf oder einen anderen Umgang mit dieser Situation anstreben.