Daran erkennt man gute Qualitätsmanager

Daran erkennt man gute Qualitätsmanager

Wenn Sie eine bestimmte Anzahl von Menschen fragen, ob diese sich für intelligenter als der Durchschnitt halten, dann werden vermutlich deutlich mehr als 50% behaupten, sie seien intelligenter als der Durchschnitt.

So wird es sich wahrscheinlich auch verhalten, wenn Qualitätsmanager danach gefragt werden, ob sie sich für gute Qualitätsmanager halten. Wer würde schon freiwillig zugeben, dass er oder sie schlechter als der Durchschnitt ist?

Mathematischer Fakt ist jedoch, dass – wenn sich nicht alle Qualitätsmanager auf genau dem gleichen Niveau befinden – zwangsweise annähernd 50% besser und 50% schlechter sein müssen als der Durchschnitt.

Doch was zeichnet einen guten Qualitätsmanager aus? Das Prädikat „gut“ ist für sich allein genommen noch nicht sehr aussagekräftig. Es kommt wohl auch darauf an, wen man danach fragt.

In knapp zehn Jahren, die ich nun im Qualitätswesen tätig bin, habe ich zu dieser Frage eine sehr eigene Ansicht erlangt. Die aus meiner Sicht zehn wichtigsten Faktoren möchte ich im Rahmen dieses Blogartikels mit Ihnen teilen.

Bitte stören Sie sich nicht daran, wenn Sie andere Kriterien für entscheidend halten – Sie dürfen dann den anderen Lesern gerne Ihre Ansicht in einem entsprechenden Kommentar mitteilen.

Bei der Frage, was einen guten Qualitätsmanager ausmacht, orientiere ich mich dabei nicht ausschließlich am Qualitätsgedanken sondern möchte meine Aufzählung globaler verstanden wissen und zwar vor Kernfrage „Was ändert sich, wenn ich als Qualitätsmanager meine Arbeit bestmöglich mache?“.

Und das führt zwangsläufig zu der Einsicht, dass – wenn ich als gut und erfolgreich in meiner Arbeit erkannt und anerkannt werden möchte – andere Menschen positiv über das, was ich tue denken und reden.

Everybody’s Darling is everybody’s Depp

Dieses Zitat des deutschen Politikers Franz Josef Strauß beschreibt genau, was ich NICHT damit meine, dass andere Menschen positiv über uns denken sollen. Es geht nämlich nicht darum, allen in den Hintern zu kriechen sondern darum, unseren Mehrwert für die Organisation und im Prinzip auch für die Gesellschaft sichtbar zu machen.

Leider sind einige von uns sehr gut darin, ihren Mehrwert möglichst wenigen außerhalb des Qualitätswesens zu zeigen. Das beginnt bei einem manchmal unverständlichen Vokabular und geht bis zur Nichtnachvollziehbarkeit von Entscheidungen.

Meine TOP-10: Was einen guten Qualitätsmanager ausmacht

Die Aufzählung ist ohne bestimmte Reihenfolge und besitzt daher keine Nummerierung. Um den Titel meines Blogs aufzugreifen, gehe ich davon aus, dass gute Qualitätsmanager eine gewisse Leidenschaft für ihr Thema entwickelt haben, also im weitesten Sinne mit Enthusiasmus bei der Sache sind. Deshalb werde ich in der Aufzählung „den guten Qualitätsmanager“ als Q-Enthusiast bezeichnen.

Ein Q-Enthusiast wird als nützlich und nicht als lästig angesehen

Wenn Ihr Qualitätsmanagementsystem und damit auch Ihre Arbeit nur als lästig und nicht als nützlich empfunden wird, dann haben Sie im Prinzip schon verloren und Ihre täglichen Anstrengungen sind nur halb so viel Wert beziehungsweise ist wenig bis gar nicht wirksam.

So sehr Sie auch von dem, was Sie tun, überzeugt sind: Wenn das niemand außer Ihnen oder Ihrem Team genauso sieht, dann werden Sie niemals Akzeptanz für Ihre Systeme, Maßnahmen und Entscheidungen erhalten.

Ein Q-Enthusiast ist flexibel und veränderungsbereit

Wir Menschen sind stetigen Veränderungen unterworfen: Die Welt, die Gesellschaft, unser Unternehmen, unser Team und wir selbst ändern uns mehr oder weniger Ständig beziehungsweise müssen auf Anforderungen von intern und extern reagieren.

Wenn wir uns gegen jegliche Veränderung sträuben und nur Neuerungen zulassen oder umsetzen, die wir aufgezwungen bekommen, dann kann unsere Leistung, die Performance unseres Qualitätsmanagementsystems und die Leistung unseres Unternehmens in Sachen Qualität nie zu den Besten gehören.

Bei der Veränderungsbereitschaft gilt es aber, Balance zu halten: Sie dürfen Ihre Organisation nicht Geschwindigkeit und Änderungshäufigkeit überfordern, müssen stets alle Mitarbeiter entsprechend involvieren und hinter der Notwendigkeit und/oder Sinnhaftigkeit der Änderungen stehen.

Ein Negativbeispiel: Die halbherzige Einführung von TQM, weil es in einer bestimmten Branche gerade „hip“ ist.

Gute Qualitätsmanager haben außerdem ein gutes Gespür dafür, wann eine Veränderung so frühzeitig geschehen sollte, um einer bestimmten Entwicklung zuvor zu kommen.

Ein Q-Enthusiast belässt die Verantwortung bei den Verantwortlichen

Viele (nicht gute) Qualitätsmanager arbeiten nach dem Motto: Das mache ich lieber selbst, dann weiß ich, dass es erledigt ist.

Manche (ebenfalls nicht gute) Qualitätsmanager schieben Verantwortung bewusst von sich weg und unterstützen die wirklich Verantwortlichen in keiner Weise – im externen Audit fällt dem Unternehmen das dann auf die Füße und es wird nur die Schuldfrage diskutiert anstatt konstruktiv Maßnahmen festzulegen.
Q-Enthusiasten unterstützen andere Abteilungen dabei, deren Qualitätsaufgaben ebenfalls bestmöglich zu bewältigen ohne ihnen die Verantwortung abzunehmen. Hilfe zur Selbsthilfe könnte man sagen. So gewinnt die ganze Organisation und das Qualitätsbewusstsein steigt.

Ein Q-Enthusiast erhöht die Wirtschaftlichkeit bzw. Wertschöpfung des Unternehmens

Schlechte Qualitätsmanager haben ein sehr eingefahrenes Verständnis von Qualität und wollen auf Biegen und Brechen ihre alten Vorstellungen immer und immer wieder durchsetzen. Das führt regelmäßig zu Konflikten mit den Parteien, deren oberstes Ziel die Produktivität des Unternehmens ist.

Q-Enthusiasten erkennen die Zwickmühle in denen sich zum Beispiel Werksleiter oder Logistiker befinden und helfen diesen, einen Kompromisse und Lösungen zu finden, die nicht qualitätsschädlich sind sondern dem Unternehmen langfristig am meisten helfen.

Ein Q-Enthusiast ist transparent und berechenbar

Je nach Branche und Sachverhalt gibt es im Qualitätswesen meist nicht nur Entscheidungen zwischen Schwarz oder Weiß. Meist werden vor allem leitende Personen im Qualitätswesen gerade für die verschiedensten Grau-Schattierungen benötigt.

Dennoch werden wohl weite Teile der Entscheidungen auf stets wiederkehrende Sachverhalte zurückzuführen sein. Wenn niemand außer Ihnen den „roten Faden“ in Ihren Entscheidungen erkennen kann, dann wird man wenig Verständnis für Ihre Qualitätsphilosophie entwickeln können.

Und Erfahrungsgemäß fürchten wir Menschen uns eher vor Dingen, die wir nicht verstehen, als diesen aufgeschlossen und positiv zu begegnen.

Ein Q-Enthusiast etabliert eine positive Fehlerkultur

Den Satz „QM erlaubt Fehler, aber jeden Fehler nur einmal“ hört man so oder so ähnlich ziemlich oft. Aber wer handelt wirklich danach? Wer sieht in einem Fehler die Möglichkeiten der Verbesserung?

Viel zu oft wird mit dem Finger auf die Leute gezeigt, die einen Fehler gemacht haben. Das führt meist aber nicht zu weniger Fehlern sondern dazu, dass immer ausgefeiltere Methoden entwickelt werden, die Fehler hinterher zu vertuschen.

Deshalb betonen Q-Enthusiasten, dass es keine negativen Konsequenzen für einzelne Personen gibt, die einen Fehler in bestem Wissen das Richtige zu tun, gemacht haben. Sie helfen Denjenigen, bestmöglich aus den Fehlern zu lernen und lassen sie an Korrektur und Korrekturmaßnahme aktiv mitwirken.

Ein Q-Enthusiast kann den Mehrwert von Anforderungen auch ohne Norm erkennen und erklären

Schlechte Qualitätsmanager erklären die Notwendigkeit von Maßnahmen oder Veränderungen oft mit „der Norm“, „dem Auditor“ oder „dem Kunden“. Ich unterstelle, dass viele von diesen Menschen es nicht für nötig befinden, andere Mitarbeiter und/oder andere Abteilungen an ihrem Wissen teilhaben zu lassen.

Nur Manchen unterstelle ich, dass sie tatsächlich geforderte Maßnahmen selbst nicht verstehen und deshalb mehr schlecht als recht umsetzen.
Q-Enthusiasten erkennen und erklären daher den Mehrwert, den jede Tätigkeit bringt – egal ob dem Unternehmen, den Kunden oder wem auch sonst.

Sie erreichen damit ein breites Verständnis für Qualitätsthemen. Als einfaches Beispiel versteht ein Anlagenfahrer die Notwendigkeit einer Checkliste als tatsächliche Notwendigkeit, die eine positive Veränderung bewirkt.

Ein Q-Enthusiast bildet sich stetig weiter

Vorhin ging es schon einmal um Veränderungsbereitschaft. Auch bei der Weiterbildung geht es um Veränderung: Entweder, weil wir uns selbst durch unsere Bildung positiv von anderen Menschen abheben möchten oder weil wir durch Schulungen, Trainings, Bücher oder ähnliches Wissen mit den an uns gestellten Anforderungen Schritt halten wollen (müssen).

Dabei bilden sich Q-Enthusiasten weiter, weil sie wollen. Die wollen selbst wachsen, ihr Unternehmen und ihr Team weiterentwickeln und setzen daher auf Wissen anderer Quellen. Schließlich lernt man nie aus – auch wenn man das Qualitätsmanagement vielleicht im Rahmen eines fundierten Studiums „von der Pike auf“ gelernt hat.

Gute Qualitätsmanager erkennen dabei auch den Wert der Weiterentwicklung bei den „soften Faktoren“ – also ihrer Persönlichkeit.

Ein Q-Enthusiast wird geschätzt und respektiert, nicht gefürchtet

Es ist ein Unterschied, ob Sie jemand wegen Ihrer Stellung respektiert oder dafür, WAS Sie tun. Q-Enthusiasten werden geschätzt für ihre Rolle als Spezialist im Unternehmen, die sonst keiner genau so ausfüllen kann.

Sie werden außerdem geschätzt für den Mehrwert, den sie dem Unternehmen liefern, indem sie Probleme der Organisation lösen.

Menschen, die nur aufgrund ihrer Stellung im Organigramm oder einer gewissen Machtposition respektiert oder gar gefürchtet werden, weil sie „besonders harte interne Auditoren“ sind, werden vermutlich eher nicht als gute Qualitätsmanager wahrgenommen werden.

Folglich sinkt die Akzeptanz dessen, was sie versuchen, durchzusetzen und der Mehrwert für das Unternehmen wird von niemandem wirklich erkannt.

Ein Q-Enthusiast ist wie ein Navigationssystem

Ein sicheres Zeichen dafür, dass auch andere Sie für einen guten oder gar ausgezeichneten Qualitätsmanager halten ist, wenn man mit kniffligen Problemstellungen oder Fragen zuerst zu Ihnen kommt oder generell gern Ihre Meinung einholt. Insbesondere dann, wenn ein Thema vordergründig nicht viel mit Qualität zu tun zu haben scheint.

Q-Enthusiasten werden nämlich als eine Art Kompass oder Navigationssystem angesehen, bei denen man weiß, dass sie bestmögliche Hilfestellung leisten wollen (und auch können!) und deren Urteil oder Ratschlag man gerne vertraut.

Wie viele Punkte treffen auf Sie zu?

Wenn Sie diese 10 Tipps jetzt als eine Art Test verstehen, dann fragen Sie sich doch einmal, wie viele Kriterien davon Sie für sich als erfüllt ankreuzen würden. Es sind weniger als 10? Kein Problem, niemand ist perfekt 🙂

Aber ich finde, es lohnt sich dann, genauer darüber nachzudenken, welche Kriterien Sie nicht erfüllen. Und warum.
Es könnte sein, dass Sie gar nichts dafür können. Möglicherweise wird Ihre Rolle im Unternehmen anders verstanden, sodass Sie gar nicht die Möglichkeit haben, alle Kriterien zu erfüllen.

Wenn Sie aber ohne äußere Zwänge einzelne Kriterien nicht erfüllen, dann sollten Sie sich nach entsprechender Überlegung bewusst dagegen entschieden haben. Sie sollten aus meiner Sicht in der Lage sein, sich (und bei Nachfragt anderen) erklären zu können, warum einzelne Punkte aus Ihrer Sicht für Ihre Position keine Bedeutung haben.

Auch wenn dem der Fall sein sollte, so denke ich doch, dass die zehn Tipps, die ich als Voraussetzung für einen guten Qualitätsmanager aufgelistet habe, uns der Perfektion die wir nie ganz erreichen werden, ein Stück näher bringen können.

Und das Beste ist: Wohldosiert eingesetzt haben sie keine schädlichen Nebenwirkungen.

Meine Auflistung zeigt auch, dass Fachwissen, Methodenkompetenz und dergleichen zwar einen Qualitätsmanager ausmachen, aber den entscheidenden Unterschied zwischen gut und schlecht stellen andere Faktoren dar.