Blog

080 Qualitätsehrlichkeit (Teil 2)

Wie genau nimmst Du es mit der Qualitätsehrlichkeit?

Ich gestehe, auch ich habe es schon häufiger getan. Die Antwort auf eine Kundenreklamation war zwar nicht direkt gelogen, aber dennoch irgendwie an der Wirklichkeit vorbei. Warum? Um unangenehme Rückfragen zu vermeiden!

In unserem Interview erklärt Dr. Sommerhoff, warum dieses Verhalten dazu führen kann, dass wir uns nicht mit den wahren Fehlerursachen beschäftigen.

Den Kunden werden häufig Pseudo-Fehlerursachen mitgeteilt, um sie zufriedenzustellen. Dabei kann die Verbesserung der Situation auf der Strecke bleiben. Und das ist eine Gefahr.

Nicht zuletzt sieht Benedikt Sommerhoff dies durch asymmetrische Verträge ausgelöst. Diese Art der Verträge liegt vor allem in der Automotive-Branche vor und beschreibt, dass Risiken und Kosten in hohem Maße auf die vermeintlich schwächere Vertragspartei abgewälzt werden.

Qualität ist in vielen Bereichen Vertrauenssache. Nicht jedes Kriterium kann genauestens überprüft werden. Und gerade dann ist Qualitätsehrlichkeit besonders wichtig. Wie geht ein Unternehmen damit um, wenn Fehler auftreten? Benennt es die wahren Ursachen? Und macht sich dadurch angreifbar? 

Hör‘ rein, was Dr. Sommerhoff dazu sagt.

Du hast den ersten Teil des Interviews noch nicht gehört? Diesen findest Du hier. 

 

079 Der Kreislauf von Anerkennung und Wirksamkeit (Teil 1)

Anerkennung und Wirksamkeit gehen Hand in Hand – besonders im QM

Wer Anerkennung für die eigene Arbeit bekommt, strengt sich für gewöhnlich an, mehr davon zu bekommen. Dadurch wird man wirksamer und bekommt mehr Anerkennung und Aufmerksamkeit für die eigene Arbeit. Das gilt nicht nur aber in besonderem Maße im Qualitätsmanagement. Warum das so ist? 

Darüber und über noch viele weitere Themen durfte ich mit Dr. Benedikt Sommerhoff von der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) sprechen. Er arbeitet seit über 20 Jahren für den bedeutendsten Verein, der sich dem Thema Qualität widmet und leitet dort erfolgreich die Bereiche Innovation und Transformation.

Es war für mich eine große Ehre, über 90 Minuten mit ihm sprechen und ihm meine Fragen stellen zu dürfen. Daraus ist ein spannendes Interview geworden, das ich in insgesamt vier Teile aufgeteilt haben. Diese Teile lassen sich thematisch gut voneinander abgrenzen und so bekommst Du vier angenehme Häppchen qualitativ hochwertigen Input. 

Wenn Du außerhalb des Interviews mehr über Benedikt Sommerhoff erfahren möchtest, findest Du hier seine Autoren-Seite auf dem DGQ Blog.

In den kommenden Wochen darfst Du Dich außerdem über die noch folgenden Teile des Interviews freuen:

#080: Wir brauchen wieder mehr Qualitätsehrlichkeit!
#081: Warum tolerierte Regelbrüche ein Problem für jedes QM-System sind
#084: Warum in Zukunft Reaktion wichtiger als Prävention werden könnte

Am 28.11.2019 findet der 6. DGQ Qualitätstag im House of Logistics and Mobility in Frankfurt Holm statt. Ich werde dabei sein und vielleicht begegnen wir uns dort. Ich würde mich freuen!

078 Kennst Du diese QM-Mythen?

Sicher kennst auch Du QM-Mythen

Mythen sind Geschichten, Begebenheiten oder Sachverhalte, die oft erzählt werden – und die nicht immer den Tatsachen entsprechen. Das trifft nicht nur auf die „alten Griechen“ zu. Auch im QM gibt es genug Erzählungen, die von einer QM-Generation zur nächsten weitergegeben werden – und oft genug überhaupt nicht der Wahrheit entsprechen.

Vier QM-Mythen erzählt von drei echten QM-Koryphäen

Da wäre zum einen Dr. Benedikt Sommerhoff von der Deutschen Gesellschaft für Qualität. Er definiert den Begriff „Qualität“ kurzerhand neu! Mit Herrn Sommerhoff habe ich außerdem ein ausführliches Podcast-Interview geführt, das in den kommenden Wochen in insgesamt vier Teilen veröffentlicht wird. Einfach unten in der Suche „Sommerhoff“ eingeben und Du kommst direkt zu den Episoden – sobald diese veröffentlicht sind. 

Susanne Petersen hat sich die integrierten Managementsysteme auf ihre Leidenschftsfahne geschrieben. Ihre fachlichen Schwerpunkte sind nebst QM außerdem Umwelt- und Gesundheitsschutz sowie Arbeitssicherheit. Auch mit Susanne habe ich ein spannendes Interview führen dürfen, das Mitte November veröffentlicht wird.

Last but not least hat Almut Strathe sogar zwei Mythen beigesteuert. Echte Klassiker: Dokumentation und Audits. Sie spricht auch darüber, dass viele Mythen nicht tot zu bekommen sind. Sie werden „überliefert“ und mit Freuden übernommen – obwohl sie uns nicht selten das Leben schwerer machen, als es sein müsste. 

Neugierig? Dann höre Dir die Episode an!

Du bist interessiert an der QualitätsIMPULSE Online-Konferenz? Dann besuche die Webseite und melde Dich noch heute an! Wenn Du das hier nach dem 20.10.2019 lesen solltest, dann hast Du die Konferenz leider verpasst, kannst Dir aber die Aufzeichnungen dennoch sichern. Melde Dich an und ich informiere Dich, wie Du die Inhalte erhalten kannst.

Ich hoffe, wir sehen, hören und lesen uns auf der Konferenz. 9 Stunden Inhalt in 12 Einheiten rund um QM-Themen. Und Du kannst entscheiden, welche Inhalte Dich interessieren. Ganz bequem vom Sofa aus. Almut und ich freuen uns auf Dich!

 

077 Diese Freiheit bietet ein eigenes QM-System

Ein QM-System von der Stange? Das kann nur schiefgehen!

Der große Vorteil „moderner“ Managementsystem-Normen ist die hohe Flexibilität. Diese Systeme lassen sich mit etwas Cleverness gut in das Unternehmensgeschehen integrieren. So ist es möglich, mit einem QM-System (oder anderen Managementsystemen) das eigene Unternehmen optimal auf die eigenen Bedürfnisse und die jeweilige Marktstrategie anzupassen.

In diesem Beitrag erkläre ich Dir, wie Du Dein QM-System so nutzen kannst, dass es Dir das Maximum an Freiheit und Gestaltungsspielraum ermöglicht. Daraus entsteht dann eine Win-Win-Win-Situation:

Win 1: Du wirst wirksamer und erhältst mehr Anerkennung

Win 2: Dein Unternehmen wird erfolgreicher

Win 3: Die Kunden lieben Euch!

Du kannst Dir die Episode entweder oben als Audio anhören oder – Premiere! – unten die Aufzeichnung des YouTube Live-Videos mit Präsentation ansehen. 

Gefällt Dir das Video? Dann gib‘ mir einen „Daumen hoch“. Und wenn Du jemanden kennst, für den oder die das Thema auch interessant sein könnte, dann teile gern den Link. 

 

HINWEIS: Am Mittwoch, den 9.10.19 um 19 Uhr gibt es das zweite YouTube Live-Video mit dem Titel:

So holst Du das Beste aus Deinem QM-System heraus.

Du möchtest dabei sein? Hier findest Du den Link zum nächsten Livestream.

Es ist manchmal leider so, dass wir uns selbst ein System schaffen, das uns mit der Zeit mehr einengt, als unbedingt nötig. Kennst Du das? In Podcast-Episode 076 zeige ich Dir drei Wege, wie Du das starre Korsett ablegst und Dich wieder mehr entfalten kannst.

Hier erfährst Du mehr.

076 Gefangen im QM-System | Qualitätsimpulse

Der Enge des eigenen QM-Systems entfliehen

So mancher empfindet das Qualitätsmanagementsystem nicht als hilfreiches Werkzeug für die eigene Arbeit. Man hat sich selbst ein Korsett aus Vorgaben angelegt, weil man glaubte, „die Norm fordert das“. Und oft genug arbeitet man einfach nur ab, was man für notwendig hält, ohne sich zu fragen, was eigentlich sinnvoll und wirksam wäre.

Ist es Dir so oder so ähnlich auch schon einmal ergangen? 

Einige Beispiele typischer Anzeichen für ein QM-System als Gefängnis sind:

Interne Audits, bei denen im Vordergrund steht, die Normanforderungen abzuprüfen. Das wird oft praktiziert – und ist doch zumindest von der ISO 9001:2015 nicht gefordert. Das eigentliche Ziel der kontinuierlichen Verbesserung findet in diesen Konstrukten oft keinen Platz. In diese Falle tappen viele nicht zuletzt deshalb, weil Zertifizierungsauditoren häufig demselben Irrglauben unterliegen.

Ausufernde Dokumentation. Dokumentierte Vorgaben, die keiner liest und nach denen sich niemand richtet. Nicht selten hunderte von Anweisungen, die sich teilweise gegenseitig Widersprechen. 

Das hat dann Qualitäts-Scheinwelten zur Folge, bei denen sich die Realität massiv vom beschriebenen Qualitätssystem unterscheidet. Und nicht selten notieren externe Auditoren Abweichungen, die nur dadurch zustande kommen, dass im Unternehmen nicht gelebt wird, was es sich selbst einmal auferlegt hat.

Die Folge: Mehr gefühlte Fremdbestimmung

Zusätzlich zur ohnehin oft wahrgenommenen Fremdbestimmung durch externe Auditoren, Kunden und die Geschäftsleitung, kommen dann auch noch die Zwänge hinzu, die wir uns teilweise selbst zuzumuten haben. An der Ergebnisqualität, die unsere Firma produziert, denken wir dann immer seltener. 

Das kann dann eine Negativ-Spirale auslösen: Unser Qualitätsmanagement ist weniger wirksam (wir als Qualitätsmanager sind weniger wirksam!) und wir bekommen weniger Anerkennung für unsere Arbeit und somit weniger Aufmerksamkeit für unsere Themen. Das führt zu noch weniger Wirksamkeit, da wir für die Erreichung unserer Ziele fast immer andere Menschen als Unterstützung brauchen.

Mache Dich frei und atme wieder durch! 

Und jetzt die gute Nachricht:

Du kannst Dir selbst helfen!

Ich habe drei Tipps für Dich, wie das geht – und eine Ankündigung.

Tipp I: Achte genau auf die Wortlaute der Norm oder des Standards, nach dem Du arbeitest. Dort gibt es immer Hinweise, was notwendig ist – und wo Du Gestaltungsspielraum hast. Schlüsselwörter sind: „kann“, „soll“, „muss“. Genau hinschauen solltest Du auch bei Phrasen wie „falls zutreffend“, „falls notwendig“ und „falls erforderlich“. Das bedeutet: Du hast Spielraum und musst nur umsetzen, was für die Situation Deines Unternehmens passend ist. 

Tipp II: Baue Dir Dein eigenes System. Es ist okay, wenn Du Dir Anregungen von anderen Unternehmen holst oder die Hinweise von Auditoren und Beratern befolgst oder deren Vorlagen verwendest. Setze aber nur das um, was für Dein Unternehmen wirklich sinnvoll ist. Zu viele Menschen arbeiten mit Methoden und nach Vorgaben und Richtlinien, die für ihre unternehmerische Wirklichkeit nicht passend sind. Nutze auch hier den Spielraum, den Dir die modernen Normen bieten.

Tipp III: Miste regelmäßig aus. Ungewollt sammelt sich in fast allen Systemen mit der Zeit Ballast an, der unser System langsam, kompliziert, und wirksam und bürokratisch werden lässt. Eine Maßnahme könnte sein, jedem Prozess und jedem Dokument eine Art „Haltbarkeitsdatum“ zu geben. In regelmäßigen Abständen wird alles auf Sinnhaftigkeit und überprüft und geschaut, ob es noch für die Firma zutreffend ist. Was nicht mehr passt, wird geändert oder gestrichen. 

Lege die Ketten ab und entfalte Deine Flügel

Wenn Du im Detail wissen möchtest, wie Du Dir und Deinem QM-System wieder mehr Luft zum Atmen verschaffen kannst, dann habe ich etwas für Dich:

 

Zwei Tage, zwölf Themen und über 9 Stunden Inhalt. Ohne, dass Du reisen musst. Wir zeigen Dir die Freiräume und Möglichkeiten, die Dir Dein eigenes Qualitätsmanagement-System bieten kann. Schau Dir das unbedingt an!

075 Berufliche Neuorientierung. Interview mit Christoph Stelzhammer

Berufliche Neuorientierung und Tipps für das nächste Vorstellungsgespräch

Manchmal staune ich, wie viele Menschen im Qualitätswesen im Grunde Quereinsteiger sind. Nicht nur einmal habe ich erlebt, dass gute Fach-Mitarbeiter zum Beispiel aus Pflegeberufen Teilzeit oder Vollzeit ins Qualitätsmanagement wechseln. Doch was ist dabei zu beachten, um in der neuen Rolle möglichst erfolgreich zu sein?

Genauso gut kann es vorkommen, dass Du Dich in einem anderen Bereich umschauen und QM zumindest zeitweise den Rücken zukehren möchtest. Auch hier gibt es ein paar Regeln, die Du beachten solltest.

Über diese und weitere Themen habe ich mit dem Gründer des „Berufungszentrums“, Christoph Stelzhammer, gesprochen.

Christoph sitzt in Zürich, kommt ursprünglich aus dem Ingenieurswesen und hat schon einige verantwortungsvolle Positionen bekleidet, bevor er sich mit seiner Leidenschaft selbstständig gemacht hat. Er war in früheren Positionen als Personalleiter, im Vertrieb, sowie im strategischen Marketing tätig.

Ich habe ihm auf der Convention des Berufsverbandes Deutscher Redner, der German Speaers Association, zum ersten Mal persönlich kennengelernt. 

Davor kannte ich ihn durch seinen Podcast, TopJobs im Wandel.  

Die Buchempfehlungen von Christoph Stelzhammer

Weitere Informationen zu Christoph Stelzhammer und dem Berufungszentrum

 

074 Gehen uns die Ideen aus?

Wer Ideen pflanzt, darf ihr Wachstum nicht fürchten.

Es ist nicht bekannt, von wem dieses Sprichwort stammt. Es scheint aus einer Zeit zu stammen, in der im übertragenen Sinn Waldsterben kein Thema war. Doch wie ist das heute mit den Ideen im Business? Ich bin kürzlich auf eine Podcast-Episode der Sendung „Freakonomics Radio“ gestoßen. 

In ihrer Episode 310 vom 30. November 2017 beschäftigen sie sich mit der These, dass es immer schwieriger wird, neue Ideen zu entwickeln. Der überwiegende Teil der Geschäftswelt strebt stetiges Wachstum an und ist davon überzeugt, dass nur mit diesem unsere Zivilisation bestehen könne. Und um Wachstum zu erzielen, ist irgendeine Art von Innovation notwendig.

Irgendetwas muss anders getan werden, als vorher. Landläufig wird unter „wirtschaftlichem Wachstum“ eine Steigerung von Umsatz und/oder Gewinn verstanden. Und um das zu erzielen, sind die wichtigsten Hebel:

  • Mehr (oder andere) Produkte oder Dienstleistungen verkaufen
  • Höhere Preise erzielen
  • Die Kosten senken
  • (Märkte verändern sich zu unseren Gunsten – nicht planbar!)

Nun habe ich weder BWL noch VWL studiert und vermutlich gibt es noch viele weitere Facetten. Belassen wir es trotzdem bei diesen Rahmenbedingungen. Wollen wir einen der drei Hebel bewegen, müssen neue Ideen her. Und laut „Freconomics“ wird es immer schwerer und kostspieliger, diese Ideen zu realisieren. Zum Beispiel, weil mehr Forscher, Wissenschaftler oder Ingenieure beschäftigt werden müssen. 

Es steht die Frage im Raum, ob die Kosten für die Innovation das gewünschte Wachstum nicht immer häufiger auffressen. 

Was hat das mit QM zu tun?

Mir kommen dabei drei Gedanken:

I. Die Art und Weise, wie Unternehmen ihr Qualitätsmanagement leben, ist nicht auf Innovation des selbigen ausgerichtet. Deshalb sind wir auch eine der getriebensten Menschen, wenn wir über Digitalisierung sprechen. Und da sprechen wir noch nicht mal von Innovation, sondern davon, bestehende (innovative) Produkte und Dienstleistungen anzuwenden.

II. Das Qualitätswesen ist ständig damit beschäftigt, den Veränderungen, die von anderen gefordert werden, hinterherzulaufen. Dabei bleibt die Entwicklung QM-eigener Ideen oft auf der Strecke. Das sieht man an den verwendeten Methoden:

  • Der Grundgedanke des PDCA-Zyklus (auch bekannt als „Deming-Kreis“ oder „Deming-Rad“) wurde schon in den 1930er Jahren entwickelt
  • Das Ishikawa-Diagramm (Ursache-Wirkung-Diagramm) geht auf die 1940er Jahre zurück
  • Das Kano-Modell der Kundenzufriedenheit hat seinen Ursprung in den 1970er Jahren

Vereinfacht gesagt, versuchen wir, moderne Probleme mit uralten Methoden zu lösen. Würden diese Methoden zumindest verstanden und effektiv (geschweige denn effizient) eingesetzt, wäre das wahrscheinlich gar nicht so schlimm. Manchmal ist es erschreckend, wie wenige Qualitätsmanager allein Ahnung von Statistik haben. Ich kann Dich nur ermutigen, Dich mit dem Thema zu beschäftigen.

III. Wenn wir jemals einen Gleichklang bei der Industrialisierung erreichen wollen, dann muss sich das Qualitätsmanagement selbst innovieren und darf nicht, wie bisher darauf warten, dass andere uns zur Weiterentwicklung zwingen. Ein anzustrebender Gleichklang wäre mindestens „Industrie 4.0 = Qualität 4.0“. Soll das Qualitätswesen jemals eine wirklich führende Disziplin werden, dann brauchen wir eigentlich hinter dem Punkt eine Version höher als die Industrie, sonst laufen wir ständig hinterher. 

Adaption statt Innovation

Vielleicht ist es aber auch der Natur des Managements von Qualität geschuldet, dass wir häufiger reagieren, anstatt zu agieren: Kunden haben Anforderungen, wir helfen dabei, sie zu erfüllen. 

Kunden haben beschweren sich, wir managen sie und sorgen dafür, dass die Fehler nicht wieder vorkommen. Wenn QM sich als das „Management von Anforderungen“ verstanden wird, dann wäre es auch gar nicht unsere Aufgabe, uns mit Anforderungen zu beschäftigen, die heute noch gar niemand gestellt hat, oder?

Falls dem so ist, habe ich zum Schluss noch eine versöhnliche Nachricht: Draußen in der Welt sind noch so viele gute Ideen, die bereits umgesetzt werden! Das QM kann von diesen Ideen eine Menge übernehmen und auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Das allein kann uns Qualitätsmanagern zu wahren Wachstumsschüben und zu mehr Freude an unserer Arbeit verhelfen. Wir müssen dazu nur die Augen offen halten und auch mal etwas wagen.

In vielen Branchen werden Produkte und Dienstleistungen immer häufiger „unfertig“ auf den Markt gebracht. Und dann mithilfe des Feedbacks der Kunden nach deren Bedürfnissen weiterentwickelt. Das hat zwangsläufig zur Folge, dass nicht alle Probleme und Herausforderungen von vornherein bekannt sein können. In einem solchen Umfeld hat Reaktion eine deutlich höhere Priorität als Prävention. 

Ich bin der Ansicht, dass wir uns mit den Anforderungen der Zukunft beschäftigen müssen. In der einigen Branchen mehr als in anderen. Umso wichtiger, dass wir uns nicht weiter überholen lassen, nur um der bestmöglichen Lösung hinterherzulaufen. 

Riesige Wachstumsschübe für die Zukunft?

Zum Schluss möchte ich noch drei sehr zukunftsreiche Entwicklungen für Dich skizzieren, die laut Freakonomics und den interviewten Wissenschaftlern und Ökonomen ein großes Wachstumspotenzial für unsere Zukunft haben:

Bioprinting

Das finde ich extrem spannend: Die Vorstellung, man könne von einem Organismus (zum Beispiel einem Krebspatienten) gesunde Zellen entnehmen und mit einem 3D-Drucker einfach ein neues, gesundes Organ drucken lassen. 

So etwas ist in Zukunft vielleicht auch für alle Arten von Produkten möglich. Zum Beispiel Lebensmitte. Der Drucker wird gefüllt mit den atomaren Bausteinen, aus denen die Lebensmittel bestehen und wir als Verbraucher wählen einfach aus, welches Lebensmittel gedruckt werden soll.

Schon druckt unsere persönliche Lebensmittelfabrik Gurken oder Karotten, welche die ideale Nährstoffzusammensetzung aufweisen – ganz ohne Belastung der Landwirtschaft und Monokulturen. 

Robotik

Es ist kein Geheimnis, dass Roboter immer besser werden und künftig viele menschlichen Arbeitskräfte ersetzen werden. Was mich aber wirklich erstaunt hat: schon im Jahr 2017 gab es ein Projekt, bei dem Roboter allein bzw. mithilfe eines menschlichen Helfers Häuser bauen – und das drei- bis sechsmal so schnell wie es heute möglich ist.

Diese Roboter können Rohbauten schon so gut wie autonom und innerhalb von 24 Stunden bauen. Sie können sogar die Lücken für Fenster und Leitungen aussparen. 

Augmented Reality (AR) 

Diese Technologie ermöglicht die Vermischung zwischen Realität und „Fantasie“. Im Gegensatz zu Virtual Reality (VR) spricht AR alle Sinne des Menschen an. 

Für die Spielewelt gibt es schon etliche Anwendungen für Augmented bzw. Virtual Reality. Mittels einer Brille (oder künftig Kontaktlinsen) ist es möglich, über die echte Realität bestimmte Bilder zu projizieren, die sich dann mit der Wirklichkeit vermischen. 

Ich könnte mir Vorstellen, dass solch eine Technologie für Schulungen und Unterweisungen in Zukunft extrem hilfreich sein könnte. Man könnte damit gefährliche Situationen noch realistischer simulieren. 

Wie sieht die Zukunft der Menschheit aus?

So spannend derlei Technologien auch sein mögen, sie können uns auch ängstigen. Wenn Technologie uns immer mehr Arbeit abnimmt, welchen Sinn hat die menschliche Existenz dann für die Erde? Schaffen wir uns gerade selbst ab? Oder arbeiten wir nur daran, künftig noch mehr Zeit dafür zu haben, unsere Umwelt zu zerstören?

Und hat wirtschaftliches Wachstum seine Grenzen? Wirtschaftswachstum wird Prozent ausgedrückt. Das bedeutet, dass für 1 % dieses Wachstums immer mehr Anstrengung notwendig ist. Wie lange können wir diese Anstrengungen noch durch Effizienzsteigerung kompensieren?

So nachdenklich diese beiden Fragen auch machen können. Ich finde, wir leben in einer großartigen Zeit mit nahezu unendlich vielen Möglichkeiten. Wenn wir mit diesen Möglichkeiten verantwortungsvoll umzugehen lernen, dann werden wir imstande sein, auch die großen Probleme unserer heutigen Zeit zu lösen.

073 Die Digitalisierung ist keine Herausforderung

Ein Missverständnis

Ich gebe zu, es geht mir mittlerweile ziemlich auf die Nerven. Alle reden von den Herausforderungen der Digitalisierung. Ich kann mir vorstellen, dass ich mit diesem Artikel nicht nur auf Zustimmung bei Dir stoße. Und ich muss es einmal in aller Deutlichkeit sagen:

Die Digitalisierung ist keine Herausforderung. Sie ist eine großartige Möglichkeit! Die Herausforderung heißt Wettbewerbsfähigkeit.

Die Wettbewerbsfähigkeit Deines Unternehmens und auch Deine eigene Fähigkeit, in Zukunft im Markt zu bestehen. Der Digitalisierung ist es vollkommen egal, ob Du mitmachst. Du kannst Deine QM-Dokumentation auch weiterhin ausdrucken und jede Anweisung handschriftlich unterschreiben. Die Herausforderungen sind Eure Marktbegleiter, die verstanden haben, welche Vorteile digitale Technologien bringen.

Der Trigger für diesen Artikel war eine Pressemitteilung der Firma Testo, mit der sie auf ein Webinar aufmerksam machen. Auch sie schreiben von den „Herausforderungen der Digitalisierung“ und erklären:

Die Digitalisierung ist im Qualitätsmanagement angekommen: Papierbasierte Checklisten in Unmengen an nicht mehr analysierbaren Aktenordern gehören in der Lebensmittelbranche Schritt für Schritt der Vergangenheit an. Doch dieser Wandel setzt auch eine Weiterentwicklung der Unternehmenskultur voraus. Eine Unternehmenskultur, in der der Mitarbeiter nicht nur Listen ausfüllt, sondern Botschafter für Qualität ist.

Tatsache ist: in einem guten QM-System und einem Unternehmen, das es mit Qualität ernst meint, haben Mitarbeiter noch nie „nur Listen“ ausgefüllt. Sie waren schon immer Qualitätsbotschafter. Allen voran kleine Handwerksbetriebe, die oft einen vergleichsweise weiten Weg zur Digitalisierung zu gehen haben. 

Und auch schon vor 20 Jahren war es vorteilhaft, Daten auswerten zu können. Heute, da es so einfach ist, wie noch nie, soll es auf einmal eine Herausforderung sein? Immer öfter werden die Daten digital erhoben, gespeichert, visualisiert und sogar interpretiert. 

Wenn Du natürlich versuchst, Menschen in Deinem Unternehmen von dem Kram zu überzeugen, den sie nicht verstehen können, dann wird es vermutlich schwer. Überzeuge sie doch stattdessen von der vorteilhaften Wirkung digitaler Technologie. Du musst keinen Algorithmus selbst schreiben können – Du musst nur verstehen, was er tut und seine Macht nutzen. Doch bist Du selbst überzeugt?

Erst Tiefschlaf, dann Schlaflosigkeit

Die Geschwindigkeit technologischer Entwicklung nimmt stetig zu. Es ist verständlich, wenn Mancher den Eindruck bekommt, schon jetzt nicht mehr mitzukommen. Tatsächlich hatten wir viele Jahre Zeit, uns darauf vorzubereiten, dass uns technologische Revolutionen bevorstehen. 

Wie viele Menschen, insbesondere in Deutschland, haben weiterhin tief geschlafen und digitale Möglichkeiten als Modeerscheinung abgetan?  Und sie schlafen teilweise bis heute!

Nehmen wir Microsoft Office als Beispiel. In der breiten Masse als Softwarepaket für verschiedene Büro-Anwendungen hat es sich wohl ab dem Jahr 1995 etabliert. In meiner Wahrnehmung haben sich die Fähigkeiten in Bezug auf die Verwendung dieser Programme bei 80 % der Menschen, mit denen ich zu tun habe, seitdem nicht signifikant verbessert. 

Klar, ein fortgeschrittener Durchschnittsnutzer von MS Excel nutzt vielleicht 10 – 20 % des Funktionsumfangs der Software. Es geht auch nicht darum, Funktionen zu beherrschen, die man niemals benötigt. Doch wie viele Menschen verschwenden Zeit mit der Formatierung von Zellen, wo es doch seit den letzten drei Office-Versionen sehr ansprechende Formatvorlagen gibt? 

Schreiben auf einer normalen Computertastatur ist ein weiteres klassisches Beispiel. Mit welcher Begründung verschwenden wir Zeit, Tasten zu suchen? Der einzige Grund, hier nicht besser werden zu wollen, ist die Hoffnung, in Zukunft keine Tastaturen mehr nutzen zu müssen. Dann geht das über Spracheingabe und automatische Transkription. Doch diese Technologie muss man dann auch bedienen können!

Diese beiden Beispiele nutze ich bewusst, um zu verdeutlichen, dass das alles nicht wirklich neu ist. Es hat sich zunächst relativ langsam entwickelt und wir hatten genug Zeit, uns daran zu gewöhnen. Je länger wir schlafen, desto schwerer wird es, den Rückstand aufzuholen. Insbesondere, wenn andere Menschen uns sagen, wir MÜSSEN. Das ist dann die Herausforderung: Andere haben einen Vorsprung – und es bedeutet negative Konsequenzen für uns, wenn wir nicht mindestens Schritt halten.

 

Was fehlt, ist das Interesse an Optimierung - und ein wenig Spieltrieb

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Berührungspunkte mit Computern. Im Alter von zwölf Jahren sitze ich am Computer meines Onkels. Erst vier Jahre später sollte ich meinen ersten eigenen Rechner haben – gekauft von dem Geld, das ich für den Verkauf meiner Sammlung Überraschungseier-Figuren bekommen habe.

Ich sitze also an diesem Rechner, das mit dem Betriebssystem Windows 3.1 läuft und bin fasziniert davon, wie man eine Maus bedient und dass sich unterschiedliche Fenster nebeneinander auf demselben Bildschirm anzeigen lassen – und natürlich auch vom Kartenspiel „Solitär“. 

Natürlich hatte ich damals von Dingen wie Tabellenkalkulation keine Ahnung. Interessant fand ich trotzdem, dass man mit einem Computer Briefe nicht mehr per Hand schreiben muss – als Linkshänder mit damals entsetzlicher Handschrift ein echter Augenöffner! 

Was die Digitalisierung so spannend macht: mit digitaler Technologie können wir immer leichter immer produktiver und erfolgreicher werden. Wie auch immer Du Erfolg für Dich definierst. Wenn Du eine Software nicht als notwendiges Übel verstehst, sondern als Werkzeug, Deine Wertschöpfung zu steigern, dann macht die Beschäftigung damit sogar Spaß. 

Natürlich dauert es einige Zeit, bis man sich mit etwas Neuem anfreundet und sich zurechtfindet. Aber die Zeit ist gut investiert! Selbst wenn sich eine bestimmte Anwendung nicht bei Dir etabliert, hast Du etwas daraus gelernt – und hast weniger Angst vor dem Digitalisierungs-Monster. 

Apropos Spieltrieb… Dir ist vielleicht aufgefallen, dass ich für dieses Artikelbild kein Foto von einem der üblichen Webportale verwendet habe. Als ich den Artikel geschrieben habe, habe ich ein wenig mit dem iPad Pro experimentiert und die Spielerei des digitalen Zeichnens für mich entdeckt. Das Vorschaubild ist das Produkt daraus. Sicher nicht perfekt, aber individuell. Sicher hat es länger gedauert, als einfach ein Stock-Foto zu suchen.  Und die Erfahrung hat sich dennoch gelohnt. 

Die TOP 5 Ausreden zur Digitalisierung

Dies ist meine persönliche Ausreden-Liste. In nicht geordneter Reihenfolge sind das die Ausreden, die mir in Bezug auf die Digitalisierung häufig begegnen. 

Ausrede #1

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll…

… und deshalb fange ich lieber gar nicht an. Das nenne ich die „Digitale Lähmung“. Vor einem Wollknäuel digitaler Optionen sehen wir den Anfang des Wollfadens nicht. Mein Tipp: Liste die Prozesse in Deinem Bereich auf und versehe sie mit zwei Bewertungskriterien: 

– Wie viel Zeit nimmt der Prozess in Anspruch (1-5)?
– Welche Bedeutung hat das Ergebnis für das Unternehmen (1-5)?

Konzentriere Dich zunächst wirklich nur auf Deine Abteilung. Es ist einfacher zu starten, wenn man nicht viele Menschen involvieren muss. Die beiden zahlen multiplizierst Du und mit dem höchsten Wert startest Du. So stellst Du sicher, dass Du dort anfängst, wo Ihr die meiste Zeit spart und den größten Effekt erzielt.

Hier startest Du ein kleines Projekt und fängst einfach an, erste Erfahrungen zu sammeln.

Ausrede #2

Moderne Technologie ist teuer

Software-Riesen wie die SAP AG oder die CAQ AG haben es verstanden, ihre Lösungen maximal zu vermarkten. Einer der wichtigsten Trends der Zukunft lautet Vernetzung (Stichwort: Internet der Dinge). Wenn dann Schnittstellen von Laborgeräten zu einer Software Tausende von Euro kosten, kann ich das Argument nachvollziehen.

Suchst Du allerdings nach einer Software, die verspricht, alles zu können, dann zahlst Du viel Geld für das, was sie dann doch nicht ganz so gut können.

Und es gibt Tausende von Startups, die kostengünstige oder kostenlose Anwendungen anbieten, mit denen viele Prozesse digitalisiert werden können. Mittels der Appss Meistertask und Dropbox lassen sich absolut kostenlos Prozesse wie Wareneingangsprüfungen oder ähnliches realisieren. 

Wenn Du mehr darüber erfahren wills, schreibe mir gerne eine Mail.

Ausrede #3

Unsere Mitarbeiter können nicht mit dem PC umgehen

Digitale Technologie heißt nicht automatisch PC-Arbeit. Fast jeder hat ein privates Smartphone, kann sich in den sozialen Medien und im Internet bewegen. Nichts anderes ist für die Verwendung moderner Apps notwendig. Das kann jeder Mitarbeiter verstehen – vorausgesetzt, man achtet auf möglichst intuitive Bedienbarkeit und erklärt den Sinn hinter der Aufgabe. 

Auf leichte Verständlichkeit und Bedienbarkeit musst Du achten. Unsere Aufmerksamkeitsspanne wird immer kürzer. Ich schätze, dass ich pro Woche drei bis vier unterschiedliche Apps auf meinem Smartphone teste (privater oder beruflicher Kontext). Wenn ich die Funktion und die Wirkung dieser Anwendung nicht innerhalb von 10 – 15 Minuten verstanden habe, suche ich mir eine Alternative. 

Vermutlich geht es Dir und den Mitarbeitern in Deiner Firma ähnlich. Je einfacher die Bedienbarkeit, desto höher die Akzeptanz. Und wie in #1: Nutze zunächst Anwendungen für Dich. Überzeuge erst andere, wenn Du selbst überzeugt bist.

Ausrede #4

Ich kann nicht programmieren

Um digitale Technologie nutzen zu können, ist das auch nicht notwendig! Die Mechanismen dahinter zu verstehen, ist sicher von Vorteil, um die unglaubliche Möglichkeit von Vernetzungen zu verstehen. Schon mit geringem technischem Verständnis sind wahre Wunder möglich!

Ausrede #5

Ich habe keine Zeit mich damit zu beschäftigen

Bist Du Qualitätsmanager und vielleicht sogar Führungskraft? Dann ist die ständige Weiterentwicklung teil Deiner beruflichen Aufgabe. Das bedeutet nicht, dass Du Dich selbst in die Materie einarbeiten musst. Aber die Potenziale erkennen können solltest Du.

Für die intensive Beschäftigung und Einarbeitung in ein digitales Thema gibt es viele Möglichkeiten. Angefangen von Auszubildenden in Deinem Unternehmen, die sich vermeintlich mit digitalen Dingen leichter tun. Bis hin zu Studenten, die im Rahmen eines Praktikums oder einer Bachelorarbeit mit einem Digitalisierungsprozess in Deiner Firma befassen können. 

Du musst es nicht selbst tun. Du solltest den Impuls zur Veränderung geben.

Das einzige Argument, das zählt: Du willst nicht

Es gibt keinen Grund, nicht heute noch anzufangen. Wenn Du Dich nicht mit den digitalen Möglichkeiten beschäftigen möchtest, ist das vollkommen okay. Dann musst Du allerdings auch mit den möglichen Konsequenzen leben:

– Dein Unternehmen wird von der Konkurrenz überholt
– Du verschenkst viel eigenes Potenzial und Erfolg
– Du verschwendest fahrlässig Deine eigene Lebenszeit
– Du hast weniger Spaß im Leben (und im Job), als Du haben könntest

Der Verzicht auf digitale Technologien macht Dich nicht zu einem besseren oder schlechteren Menschen. Mir ist nur wichtig, dass Du Dich bewusst entscheidest, welche Wege Du gehst. Und Dir bewusst machst, auf welche Möglichkeiten Du stattdessen verzichtest. 

Digitalisierung im Qualitätsmanagement

Podcast-Episode #34

Erfahre mehr über die „4 Megatrends der Digitalisierung“ und wie sie im QM genutzt werden können. Hier geht’s zur Episode / zum Artikel. 

072 Die Qualität Deiner Gedanken bestimmt die Qualität Deines Lebens

Qualität der Gedanken?

Zwei einfache Beispiele verdeutlichen, inwieweit Deine Gedanken Dein Handeln und somit Dein Leben beeinflussen: woran denkst Du zuletzt, bevor Du zu Bett gehst und woran als Erstes, wenn Du aufwachst?

Liegst Du vor dem Schlafengehen wach  und grübelst über Deine Probleme und Sorgen? Oder denkst Du an das Positive, das Dich den heutigen Tag über oder in den kommenden Tagen erwartet? Deine Schlafqualität wird komplett unterschiedlich sein. Denn Dein Unterbewusstsein beschäftigt sich mit diesen Themen, während Du schläfst. 

Ebenso, wenn Du aufwachst. Das, woran Du als Erstes denkst, bestimmt, wie Du in den Tag startest. Und es würde mich nicht überraschen, wenn Du direkt nach dem Aufwachen Gedanken zum selben Thema hast, wie davor. 

Eine jahrhundertealte Weisheit

Schon im Talmud stand es geschrieben:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. 
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. 
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. 
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. 
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Die Qualität der Gedanken beeinflusst die Qualität des Lebens

Die Art der Gedanken, die Du in Deinen Kopf lässt und die sich dort verankern, bestimmt den Ablauf Deines Lebens. Dabei geht es um äußere Einflüsse die Du an Dich heranlässt, genauso wie das, womit Du Dich aktiv beschäftigst oder mit welchen Menschen Du Dich umgibst.

Drei weitere Beispiele aus meinem Leben sollen dir Zeiten, was ich damit meine:

Als ich 2009 aufgrund einer Krebserkrankung in stationärer Behandlung war, habe ich viele Menschen kennengelernt, bei denen sehr stark zu spüren war, dass sie eigentlich mit ihrem Leben schon abgeschlossen hatten. Dabei waren sie oftmals nicht besonders alt und ihre Erkrankung meist nicht unheilbar. 

Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein etwa 50-jähriger Mann, mit dem ich insgesamt drei Wochen das Krankenhauszimmer geteilt habe. Er lag den ganzen Tag nur in seinem Bett und hat an die Decke gestarrt. Seinen Besuch ist er sehr schnell wieder losgeworden und jegliche meiner Bemühungen, ihn zu etwas Aktivität zu bewegen, ließ er nicht zu. Mit der Begründung, er wolle über sein Leben nachdenken. 

Als ich ihn gefragt habe, woran er denn da genau denkt, antwortete er, ihn beschäftige immerzu die Frage, warum ihm das passiert. Keine sehr hilfreiche Frage! Natürlich habe ich mir diese Frage kurz nach der Diagnose auch gestellt. Aber viel wichtiger war für mich, wie ich diesem „Schicksal“ entkommen kann.

Ich habe Bücher gelesen und die Ärzte mit Fragen gelöchert, ob Sport oder eine bestimmte Ernährung mir bei der Genesung helfen kann. Und daran, dass ich dir heute schreiben kann, merkst du: Es hat funktioniert 🙂 

Ich bin überzeugt: auch meine zweite schwere gesundheitliche Prüfung (ein Hirninfarkt nach einer Blutvergiftung im Gehirn) habe ich nur überstanden, weil ich positiv gedacht und gehandelt habe (abgesehen von einem tollen und unterstützenden Umfeld). 

Wenn positives Denken in lebensbedrohlichen Situationen funktioniert, dann hilft es auch im „normalen Leben“. 

Ein Beispiel, das etwas alltäglicher ist, betrifft die Welt der Nachrichten. Und damit sind alle Arten von Nachrichten gemeint: digitale oder gedruckte Nachrichten, Radio oder Posts in den sozialen Netzwerken.

Diese Medien sind meist voll von Hass, Krieg und negativen Meldungen. Das Meiste davon können wir selbst jedoch nicht beeinflussen. Diese Art der Berichterstattung beeinflusst hingegen uns. In der Kaffeeküche sprechen wir als Erstes über den kürzlichen Terroranschlag im Mittleren Osten oder Naturkatastrophen. Schlimme Schicksale, zweifellos. 

Aber darüber zu reden, ändert nichts! Es würde Sinn ergeben, wenn wir daraufhin aktiv werden und einer gemeinnützigen Organisation etwas spenden würden.

Neulich habe ich eine ganz schlimme Funktion am Wecker meines Mobiltelefons „entdeckt“: Wenn der Wecker um 5:30 Uhr klingelt, dann kommt für drei Sekunden entspannt Musik, dann tönt eine laute mechanische Stimme:

Guten Morgen, es ist 5:30. Und hier die neuesten Nachrichten.

Wie grausam ist das bitte? Sich als erstes Gedanken in den Kopf zu stopfen, die nichts mit uns persönlich zu tun haben! Diese Funktion war ganz schnell wieder deaktiviert.

Dein Umfeld beeinflusst maßgeblich, wie Du denkst, handelst und wie erfolgreich Du bist. Stelle Dir vor, Du verbringst den Großteil Deiner Zeit mit Drogensüchtigen oder gewalttätigen Menschen. Wie wahrscheinlich ist es, dass Du positive Gedanken an Deine Zukunft entwickelst?

Doch so weit müssen wir gar nicht gehen. Worüber redest Du mit Kollegen im Büro? Wie oft lästerst Du über etwas oder jemanden? Bist Du umgeben von „Energiesaugern“, die nur nörgeln und allen erklären wollen, wie schwer sie es doch haben? Diese Menschen wollen meist gar keine Lösung für ihre Probleme. Sie wollen nur ihr Umfeld vergiften.

Du solltest so wenig Zeit wie möglich mit solchen Menschen erbringen!

Der Bezug zum Qualitätsmanagement

Die oben beschriebenen Mechanismen wirken auch im beruflichen Alltag. Wie wir zum Beispiel über unsere Kunden, Lieferanten oder Kollegen aus anderen Abteilungen denken, bestimmt maßgeblich unser Auftreten und unsere Handlungen diesen Menschen gegenüber. 

Und das, was wir ausstrahlen, kommt wieder zu uns zurück. 

Was möchtest du zurückbekommen? Positives oder negatives? 

Meine 5 Strategien zur Reinhaltung meiner Gedanken

Du musst selbst entscheiden, ob diese 5 Strategien für Dich funktionieren. Mir helfen sie dabei, mich zu fokussieren und mich nicht mit Dingen zu beschäftigen, die ich nicht ändern kann. Sie helfen mir, mich auf den beeinflussbaren Teil meines Lebens zu konzentrieren. 

Nachrichten-Diät halten. Wenn ich mich für ein Thema interessiere, suche ich mir bewusst Inhalte dazu und blende andere Einflüsse aus.

Mein engstes Umfeld besteht nur aus Menschen, die eine ähnliche Einstellung und ähnliche Ziele haben, wie ich.

Ich programmiere mein Unterbewusstsein. Kurz vor dem Schlafengehen denke ich an ein schönes Erlebnis oder eine Idee. Mein Gehirn knüpft nachts daran an und ich kann super schlafen.

Ich beschäftige mich mit erfolgreichen Menschen und versuche, herauszufinden, was ihren Erfolg begründet. Beispiele sind Steve Jobs, Warren Buffett.

Ich finde in schwierigen Situationen positive Aspekte. Auch wenn Kunden oder der Chef mal nerven: Es gibt immer einen Beweggrund und positive Aspekte daran. Darauf fokussiere ich mich.

Gelingt mir das immer? Nein, natürlich nicht. Oft genug erwische ich mich dabei, genau das Gegenteil dessen zu tun, was ich oben beschrieben habe. Mittlerweile fällt es mir immer öfter und immer schneller auf und ich kann gegensteuern.

Je bewusster und hochwertiger unsere Gedanken sind, umso mehr steigt die Qualität unseres Lebens, unserer Arbeit, unseres Umfeldes und die Wahrscheinlichkeit, glücklich zu sein, steigt!

Einer der wichtigsten Werte, die mir zu mehr Glück verhelfen, ist Selbstbestimmung. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir unser Lebensgeschick zu einem Großteil selbst in der Hand haben. Deshalb habe ich diesem Thema einen eigenen Blogartikel gewidmet, den Du hier findest

 

071 Bist du ein Auslaufmodell?

Es klingt wie ein alter Hut. Ist es aber nicht!

Die aktuelle Revision der ISO 9001 (2015) fordert keinen „Beauftragten der obersten Leitung mehr“. Warum ich damit im Jahr 2019 um die Ecke komme? Auf der einen Seite hört man seit der Einführung der 2015er Version nicht von einem Massensterben der Qualitätsbeauftragten. Auf der anderen Seite frage ich mich oft, mit welchen Argumenten unwirksame Qualitätsmanager künftig ihre Daseinsberechtigung rechtfertigen wollen. Dazu gebe ich Dir gerne einige Beispiele.

Welche Argumente sprechen für und gegen QMBs?

Dazu zitiere ich einen Artikel auf dem Blog der DGQ aus dem Jahr 2015:

Seit der Erstausgabe von DIN EN ISO 9001 im Jahr 1987 bestand für das Qualitätsmanagementsystem die Forderung nach einem Beauftragten der Leitung. Ab der ersten Revision 1994 wurde daraus der Beauftragte der obersten Leitung. […]

Der Draft International Standard aus 2014, die Vorstufe der für 2015 angekündigten Revision der ISO 9001 (ISO/DIS 9001:2014) erwähnt keinen Beauftragten der Leitung mehr. Stattdessen ist die Verantwortung für das Qualitätsmanagement deutlicher und umfassender der obersten Leitung zugewiesen.

So weit, so verständlich. Der Artikel listet einige Punkte auf, warum der Wegfall des „Beauftragten der obersten Leitung“ für den QMB gut oder schlecht sein könnte. Zwei Argumente davon finde ich besonders spannend:

CONTRA: Selbst wenn ein Unternehmen die Funktion beibehält, schwächt es die Qualitätsmanager, weil sie ihre Autorisierung durch die ISO 9001 verlieren.

PRO: Qualitätsmanager, die auf eine externe Autorisierung durch die ISO 9001 angewiesen sind, sind letztlich hinsichtlich ihrer Wirkung schwache Qualitätsmanager. Sie müssten stattdessen in der Lage sein, ihren Nutzen für den Unternehmenserfolg und ihren Beitrag zur Erreichung der Unternehmensziele aufzuzeigen.

Und das ist genau der Punkt, warum ich diesen Beitrag jetzt schreibe. Noch immer orientieren sich zu wenige Qualitätsmanager, -beauftragte oder wie auch immer Du sie nennen möchtest, an Wirksamkeit und Mehrwert für das Unternehmen und seine Kunden.

Das wird in Zukunft von immer weniger Unternehmen toleriert werden können. Nicht nur als Führungskraft vertrete ich den Standpunkt: Was keine Wirkung hat, wird gestrichen.

Was genau ist die Wirkung des Qualitätsbeauftragten?

Bei der Recherche nach Antworten auf diese Frage bin ich auf einen interessanten Beitrag auf der Webseite der WEKA gestoßen. Dort steht zu den Aufgaben eines QMBs (oder QBs) folgendes:

[…] Generell ist die Hauptaufgabe des QMB die Sicherstellung der Einführung, Verwirklichung und Aufrechterhaltung des Qualitätsmanagementsystems (in Einklang mit der ISO 9001:2015). Ferner ist der QMB die Schnittstelle zur Unternehmensführung, kommuniziert die erreichten Leistungen des QMS und wirkt als Moderator zwischen Management und Mitarbeitern. Außerdem verantwortet der QMB häufig die Kommunikation der Qualitätsgrundsätze sowie die Förderung und Schulung des Qualitätsbewusstseins der Mitarbeiter.

Es gibt mehrere Gründe, warum ich mit dieser Definition nicht einverstanden bin:

  • Kundenorientierung wird nicht explizit erwähnt. Sie ist ‚versteckt‘ in der Erwähnung der Grundsätze des Qualitätsmanagements – und das auch nur zum Zweck der Kommunikation“. Dabei ist das höchste Ziel des Qualitätsmanagements die größtmögliche Kundenzufriedenheit. Ganz nebenbei sind zufriedene Kunden die Basis jedes Unternehmens.
  • Wirkt als Moderator zwischen Management und Mitarbeiter: In dieser Rolle habe ich bisher sehr selten Qualitätsbeauftragte erlebt. Das würde bedeute, dass der QMB näher „an der Basis“ wäre und die Nöte der Mitarbeiter besser verstünde, als die Führung des Unternehmens. Wäre dem so, dann wären Qualitäter wirksamer und das Qualitätsmanagement hätte nicht den schlechten Ruf, den es in vielen Unternehmen und Branchen hat.

Stattdessen bin ich der Meinung, dass ein Qualitätsmanager die Aufgabe hat, das Unternehmen in allen Bereichen hinsichtlich Qualität erfolgreicher zu machen. Und zwar, indem möglichst kosteneffizient die Probleme der Zielkunden gelöst werden.

Dazu muss er das eigene Unternehmen, die Kunden und den Markt, in dem sich das Unternehmen befindet, genau kennen. Das QM-System ist dabei lediglich ein Werkzeug – wenn auch ein machtvolles (wenn es richtig eingesetzt wird).

Warum stehst Du auf der Gehaltsliste Deiner Firma?

Ich gebe zu, das kann eine unangenehme Frage sein. Versuche dennoch, sie für Dich selbst zu beantworten. Welchen Nutzen bietest Du Deinem Unternehmen? Welche Wirkung könnte Deine Firma nicht mehr erzielen, wenn es DICH nicht gäbe?

Wenn Du auf diese Frage tatsächlich keine Antwort weißt, hast Du möglicherweise noch ein paar Jahre Zeit, Dein Profil entsprechend zu schärfen. Denn nicht nur in den Augen der ISO 9001 ist die Rolle des Qualitätsbeauftragten verzichtbar. Mit fortschreitender Automatisierung und Digitalisierung werden immer mehr Aufgaben von Algorithmen, künstlicher Intelligenz übernommen.

Wenn es da unsere einzige Aufgabe ist, über die Leistung des QM-Systems zu berichten und die Kommunikation zwischen Hierarchiestufen des Unternehmens zu übernehmen (was QM häufig ganz besonders schlecht tut), dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis Qualitätsbeauftragte in bestimmten Branchen aufhören werden zu existieren.

In anderen Ländern gibt es die Rolle des Qualitätsmanagers gar nicht

In meiner Rolle als Qualitätsleiter haben wir häufig internationale Qualitätsverantwortliche zu Gast. Wenn ich dann das Organigramm der Qualitätsabteilung präsentiere, wundert man sich oft über die Trennung von QM und QS.

Zwar ist international wohl der Unterschied zwischen QM und QS bekannt, es gibt dort jedoch häufig keine separate Rolle des „Qualitätsmanagers“. Vielmehr werden die QM-Aufgaben in das Tagesgeschäft der Qualitätssicherung integriert. Anstatt eine Hülle „Managementsystem“ zu verwalten, sind die Werkzeuge des QM-Systems dort oft fester Bestandteil der Qualitätsarbeit.

In guten Unternehmen genießt QM dort einen höheren Stellenwert und die Mitarbeitenden haben ein ausgeprägteres Qualitätsbewusstsein.

Fazit: Mehrwert statt Mehrarbeit

Wenn Du Dich in Deiner Arbeit als Qualitäter darauf fokussierst, Wert für Deine Firma zu schaffen (z.B. Durch die Verbesserung der Prozess-, Struktur- und Ergebnisqualität), dann blickst Du in eine glänzende Zukunft. Ganz unabhängig davon, wie Deine Stelle in Zukunft heißen wird.

Denn was wirklichen Wert erzeugt und Unternehmen zum Erfolg führt, davon trennen sich Führungskräfte und Management nicht so einfach.