QMOA039 – Vergessenskurve nach Ebbinghaus. 4 von 6

Wenn Du die Episode 38 zum Zielgruppenfokus bei Schulungen noch nicht kennst, holen das bitte hier nach, bevor Du Dich anhörst, wie gnadenlos die Vergessenskurve nach Ebbinghaus zuschlägt.

Darf ich vorstellen: Die Vergessenskurve

Die Schulung ist vorbei und die Unterschriftenlisten ausgefüllt und archiviert. Und nun?
Ab diesem Moment beginnt die Kurve des Vergessens.

Der Psychologe Hermann Ebbinghaus beschrieb in seinen Theorien, in welchem Zeitraum wir uns Inhalte wie lange merken können – ohne dass diese zwischenzeitlich wiederholt und so gefestigt werden.

Gemäß der Ebbinghausschen Kurve haben wir bereits nach 20 Minuten nur noch eine korrekte Wiedergaberate von etwas mehr als 50 %! Innerhalb der nächsten rund sechs Tage flacht diese Kurve ab – übrig bleibt eine Behaltensrate von ca. 20 % um dann nach einem Monat bis auf knapp über 10 % zu fallen.

Vergessenskurve_nach_Ebbinghaus

Das sieht dramatisch aus. Es ist aber ein Mechanismus zum Selbstschutz des Körpers. Stelle Dir vor, Du könntest Dich an jeden Ort erinnern, an dem Du jemals Dein Auto geparkt hast. Einfach so aus dem Stegreif. Ich denke, wir würden ziemlich schnell mit extrem unnützem Wissen zugemüllt und wahnsinnig werden.

So ist es doch ganz gut, dass wir Dinge, die für uns nur temporäre Relevanz haben, relativ schnell wieder vergessen. Einiges davon ist übrigens nicht wirklich vergessen. Wenn Du dann zum Beispiel an einer Straße vorbeifährst, an der Du früher schon einmal geparkt hast, dann kann sich Dein Gehirn manchmal sogar erstaunlich exakt an eine solche Stelle erinnern.

Was ich damit sagen möchte: Den Mitarbeitern Inhalte vor die Füße zu werfen und sie selbst sehen zu lassen, was sie daraus machen, führt nicht zum Ziel. Dinge, die wirklich täglich gebraucht werden, verankern sich schnell. Aber alles, was nicht regelmäßig im Fokus unserer Aufmerksamkeit steht, wird nach und nach vor unserem inneren Bildschirm verblassen.

Ein weiteres wunderbares Beispiel dieses „programmierten Vergessens“ sind Schulungen für die Software Microsoft Excel. Zeilen, Zellen, Formeln, Verweise, Pivot-Tabellen, Makros, Formatierungen, Wenn-Verschachtelungen.
Diese Software kann unglaublich viel und nicht wenige von uns haben bereits ein- bis zweitägige Excel-Seminare genossen.

Doch mit wie vielen der gelernten Funktionen arbeitest Du regelmäßig? Was würdest Du schätzen, wie viel von dem damals gelernten Du heute noch weißt? Für mich hat es sich bewährt, mir kleine „Excel-Häppchen“ auf YouTube anzusehen. Eine Frontal-Schulung halte ich schlicht für wenig Zielführend bei solcher Software.

Wie Du die Behaltensrate erhöhen kannst

Es ist ganz einfach: Wiederholen und anwenden.

Damit unser Gehirn Inhalt als wichtig und behaltenswert einstuft, müssen wir regelmäßig wiederholen, wiedergeben, umsetzen, anwenden oder in ähnlichen und neuen Kontext bringen.

Gebe den TeilnehmerInnen bereits während der Schulungen die Möglichkeit, das Gelernte in unterschiedliche (möglichst praxisnahe) Zusammenhänge zu bringen.

Bringe im Rahmen von Einzelgesprächen wirklich bedeutende Themen wieder ins Gedächtnis Deiner Leute.

Sorge dafür, dass die gelernten Themen auch praktisch angewandt werden können. Und genauso wichtig: Lasse Deine Teilnehmenden mit dem erworbenen Wissen in einem gewissen Rahmen „experimentieren“ und auch Fehler machen.

Der fünfte Teil der Serie zu Schulung und Wirksamkeitsprüfung

Du kennst die Grundlagen, weißt, welche Arten von Schulungen Du nutzen kannst, kennst Deine Zielgruppe und sorgst dafür, dass möglichst wenig der wichtigen Inhalte verloren geht. Jetzt ist die Zeit reif für die Wirksamkeitsprüfung. Genau darum geht es im vorletzten 5. Teil.

Generell ist mir bei dieser Serie sehr wichtig, dass ich zur Erklärung oft auf die ISO 9001 referenziere. In leicht abgewandelter Form ist das, was Du in der Podcast-Serie lernst, aber für alle anderen Managementsysteme ebenso umsetzbar.