Wie Sie mit Hilfe von Mastermind-Gruppen erfolgreicher werden

Wie Sie mit Hilfe von Mastermind-Gruppen erfolgreicher werden

Vielleicht haben auch Sie schon einmal von Masterminds gehört. Einige von Ihnen kennen vielleicht noch das gleichnamige Gesellschaftsspiel aus den 80er Jahren, bei dem es durch geschicktes Kombinieren darum ging, innerhalb von zehn Zügen die Farb-Kombination des Gegners herauszufinden.

Bei den Mastermind-Gruppen geht es um etwas ähnliches: Im Kern geht es darum, die ideale Kombination aus motivierenden und inspirierenden Menschen zu finden, mit denen man sich auf fachlicher Ebene regelmäßig austauschen kann um sich stetig weiterzuentwickeln.

Man erreicht es zwar nicht primär durch Ausprobieren wie beim Brettspiel. Der Name Mastermind bedeutet aber so viel wie „Superhirn“. Im Brettspiel wird man durch das Finden der richtigen Kombination zum Superhirn, bei den Mastermind-Gruppen holt man sich gezielt die Superhirne ins Boot um von ihnen zu lernen und wertvolles, wohlwollendes Feedback zu bekommen.

Was ist eine Mastermind-Gruppe?

Eine Mastermind-Gruppe ist eine Runde aus Menschen, die mindestens ein gemeinsamer Nenner miteinander vereint. Das kann sehr vieles sein: Nebenberufliche Selbstständigkeit, eine gemeinsame Leidenschaft, der ausgeübte Beruf, eine bestimmte Branche oder Nische. Wichtig dabei ist, dass die Personen einer Mastermind-Gruppe nicht in direktem Wettbewerb zueinander stehen.

Durch regelmäßige Zusammenkünfte tauschen sich die Mastermind-Mitglieder gegenseitig aus über ihre Ziele, Projekte und Probleme. Durch ein gegenseitiges Geben und Nehmen von Input und Feedback erreichen alle gemeinsam eine stetige Weiterentwicklung. Man profitiert von den anderen, bring sich aber auch dort ein, wo man selbst wertvolle Erfahrungen oder Stärken hat.

Wie kann Sie eine Mastermind-Gruppe weiterbringen?

Viele Funktionen – gerade im Qualitätsmanagement – sind in Organisationen nur ein einziges Mal vorhanden. Das trifft insbesondere zu, je höher man die Karriereleiter hinaufklettert.

Beispiele dafür sind: Beauftragte für Qualitätsmanagement, Umwelt, Arbeitssicherheit, etc. Auch Abteilungsleiter für spezifische Fachbereiche gibt es in jedem Unternehmen meist nur einmal (Mit Ausnahme von Unternehmen mit mehreren Standorten).

Je weniger Gleichgesinnte in Ihrem Unternehmen es gibt, umso schwieriger wird der Austausch auf Augenhöhe. Und da kommen Mastermind-Gruppen ins Spiel. Mit ihnen können Sie Ideen diskutieren, um Rat bitten, Brainstorming betreiben und Meinungen erfragen von Leuten, die zwar Teile Ihres Fachgebiets durchdringen, aber die notwendige Distanz zu Ihrem Tagesgeschäft und Ihrem Unternehmen haben, um als neutrale Feedbackgeber zu fungieren.

Außerdem sind das Menschen, die Ihnen grundsätzlich wohlgesonnen sein sollten. Sie werden Ihnen also die schonungslos unverblümte Wahrheit (die Wahrheit, die Ihnen langfristig am meisten hilft) eher sagen, als Mitarbeiter, Kollegen oder Ihr Chef.

Sie sind der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen Sie am meisten Zeit verbringen

Der „Hamsterrad-Rebell“ und Buchautor Markus Cerenak aus Österreich schreibt in einem Artikel auf seinem Blog:

Wir sind der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen wir am meisten Zeit verbringen.

Fragen Sie sich doch einmal: Welche fünf Menschen sind das bei Ihnen? Sind das die fünf Menschen, von denen Sie möchten, dass diese in gewisser Weise auf Sie „abfärben“?

Mastermind-Gruppen sind bestens dazu geeignet, diesen Durchschnitt in eine positivere Richtung zu verschieben. Denn allzu oft sind wir umgeben von Nörglern, Negativ-Denkern, Bedenkenträgern oder Jammerern die uns keinen Schritt weiterbringen.

Wenn wir uns nur mit solchen Menschen umgeben, wird es uns extrem schwerfallen, erfolgreich zu sein oder auch nur „Erfolg zu denken“.
Wenn Sie dagegen einer guten Mastermind-Gruppe angehören, dann umgeben Sie sich bewusst mit positiv denkenden und motivierten Menschen, von denen Sie viel lernen können.

Wie Sie eine Mastermind-Gruppe gründen

Hoffentlich fragen Sie sich jetzt, wie die Sache funktioniert. Prinzipiell ist es ganz einfach:

Im Detail gebe ich Ihnen die nun folgenden Tipps.

Wo Sie Teilnehmer finden

Es war noch nie so leicht, Gleichgesinnte zu finden, wie in Zeiten der „Digitalen Revolution“. Das Internet und insbesondere soziale Netzwerke können uns dabei helfen, zielgerichtet nach geeigneten Mastermind-Mitgliedern Ausschau zu halten – oder Gruppen zu finden, denen man sich anschließen kann.

Ich fokussiere mich hier auf berufliche Masterminds, deshalb halte ich berufliche soziale Netzwerke wie Xing oder LinkedIn für ideale Anlaufstellen. In entsprechenden Gruppen für die einzelnen Fachgebiete können Sie entweder allgemeine Anfragen nach Mastermind-Mitgliedern starten oder, wenn Sie Suchfunktionen verwenden können, dann suchen Sie nach Menschen, die in geeigneten Firmen tätig sind oder gleiche bzw. ähnliche Positionen wie der Ihren inne haben.

Auch in Fach-Foren können sich geeignete Mitglieder verbergen. Sie dürfen sich allerdings nicht davor scheuen, zu fragen. Trauen Sie sich, mehr als ein Nein ist nicht zu erwarten.

Wie Sie die richtigen Teilnehmer finden

Bevor Sie jedoch wild alle Xing-Mitglieder Ihres Berufsstandes als Mastermind einladen wollen, hier noch ein paar Tipps, welche Attribute Ihre künftigen Mitstreiter erfüllen sollten, damit die Gruppe den größtmöglichen Nutzen entfalten kann.

In einem Blogartikel auf der Seite www.beyourbest.de zum Thema „Erfolgsgeheimnisse der Mastermind-Gruppen“ nennt der Autor folgende Kriterien:

  • Hohe Motivation
  • Etwa gleiche Ziele (ich ergänze: Neigungen, Interessen, Leidenschaft)
  • Zuverlässigkeit (ich ergänze: Termintreue)
  • Bereitschaft, nach Hilfe zu fragen und selbst die besten Ideen weiterzugeben
  • Veränderungswille (ich ergänze: Gestaltungswille)

Da Sie diese Attribute nicht alle aus Netzwerk-Profilen entnehmen können, wird es notwendig sein, einen Schrift-, Mail- oder Telefonverkehr zu betreiben um festzustellen, ob der oder die potentielle Kandidat/in zu Ihnen und Ihrer Ziel-Gruppe passt – und ob überhaupt Interesse an einer Mitgliedschaft besteht.

Potentiell sollten Sie sich immer Mitglieder aussuchen, die einen Tick mehr Erfahrung oder Kenntnisse auf Ihrem Wunschgebiet mitbringen. Von diesen profitieren Sie am meisten!

Welche Gruppengröße ist ideal?

Die Gruppengröße richtet sich stark nach der Zusammensetzung der Mitglieder und welche Ziele erreicht werden sollen. Größere Gruppen sind beispielsweise für Brainstorming geeignet. Allerdings wird es umso schwieriger, eine gewisse Grundordnung beizubehalten, je größer eine Gruppe wird.

Für eine Mastermind-Gruppe im Qualitätsbereich halte ich eine Gruppengröße von vier bis sechs Personen für ideal. Da hat jeder Teilnehmer ausreichend Zeit und Platz für seine Themen.

Wie (oder wo) treffen Sie sich am besten?

Für das Gelingen von Masterminds ist es eminent wichtig, dass die Teilnehmer zu Ihnen und der Gruppenausrichtung passen. Wünschenswert wäre es zwar, wenn Sie sich immer Auge in Auge gegenübersitzen könnten. Aber es ist nicht realistisch, dass sich in Ihrem direkten Umfeld immer entsprechende „Kandidaten“ finden, weshalb es aus meiner Sicht unerlässlich ist, sich digital zu treffen.

Möglichkeiten dafür sind Skype oder Google Hangouts. „Normale“ Video- oder Telefonkonferenzen sind auch denkbar. Nach dem Idealzustand des persönlichen Treffens sollten sich aus meiner Sicht aber zumindest digital alle Mitglieder sehen können.

Zur Abrundung sind halbjährliche oder jährliche persönliche Treffen sicher eine feine Sache. Dann kommt mehr Menschlichkeit auf.

Wie häufig sollten Sie sich treffen?

Da sich Mastermind-Gruppen auch hervorragend dazu eignen, an selbst gesetzten Zielen dranzubleiben, empfehle ich, die Zeiträume der Treffen nicht zu weit zu fassen. Andererseits sollte zwischen den Treffen auch eine gewisse Zeit für Umsetzung vorhanden sein.

Daher ist für mein Dafürhalten ein zweiwöchentlicher Rhythmus eine gute Variante.

Versucht man, sich wöchentlich zu treffen, so klappt das vermutlich am Anfang gut, dann könnte sich aber schnell ein gewisser „Termindruck“ einstellen oder es haben sich nicht genügend Themen für die regelmäßigen Sitzungen angesammelt.
Zweiwöchentlich, jeweils sechzig bis neunzig Minuten halte ich für sinnvoll und machbar.

Ablauf klären und Regeln aufstellen

Wenn Sie sich zum ersten Mal treffen, sollten Sie einen grundlegenden Ablauf und Regeln festlegen, die für alle Treffen gelten. Sie vermeiden so, dass Sie vor jedem Treffen Zeit damit vergeuden, zu besprechen, wie sie diesmal vorgehen möchten.

Außerdem können sich so alle Beteiligten optimal vorbereiten.

Fragen, die Sie sich vorab stellen sollten:

  • Wer moderiert die Treffen?
  • Wer führt Protokoll?
  • Wer hat wie viel Zeit?
  • Wie wird zwischen Feedback geben und Feedback nehmen abgewechselt?
  • Wie lange sollen die Treffen dauern?

Fragen hinsichtlich eines Regelwerks oder einer Satzung könnten sein:

  • Wie und bis wann melden sich Teilnehmer ab, falls sie nicht können?
  • Wie müssen sich die Teilnehmer vorbereiten?
  • Welche Tabus gibt es (z.B. Betriebsgeheimnisse o.ä.)
  • Sanktionen bei Zuwiderhandlung (Was passiert z.B. mit Zu-Spät-Kommern?)

Das langfristige Funktionieren einer solchen Gruppe ist maßgeblich von einer gewissen Disziplin und Termintreue der Teilnehmer abhängig. Daher sind die oben genannten Fragestellungen nicht zu vernachlässigen. Ansonsten könnte nach der anfänglichen Euphorie schnell die Luft ausgehen!

Mögliche Agendapunkte für die ersten Treffen

Am ersten Treffen: „Beschnuppern“ und Vorstellungsrunde

  • Wer sind die Teilnehmer, wo kommen Sie her? Und ganz wichtig: Wo wollen sie hin?
  • Klärung des Regelwerks
  • Vorstellung der aktuell größten Herausforderung
  • Worauf sind die Mitglieder aktuell besonders stolz?

Das hilft dabei, das Eis zu brechen. Die Mitglieder lernen sich so sehr schnell kennen gegenseitig kennen, erfahren mehr über ihre Stärken und Schwächen und die Gruppe findet heraus, wer bei welchen Herausforderungen am besten helfen kann.

Für die weiteren Treffen

  • Was seit dem letzten Treffen geschah (Erfolge und Herausforderungen)
  • Fragestellungen, bei denen die Gruppe helfen kann
  • Ideen, die vor Umsetzung mit der Gruppe besprochen werden können
  • Der heiße Stuhl: In jedem Meeting steht ein Teilnehmer im Fokus. Es könnte eine konkrete Idee diskutiert und von allen Seiten beleuchtet werden. Oder die Teilnehmer finden für ein kniffliges Problem gemeinsam geeignete Lösungsansätze

Ich kann nur empfehlen, dass Sie sich für die weiteren Treffen nach der „konstituierenden Sitzung“ möglichst Rituale schaffen, die es Ihnen erleichtern, Ihre Zusammenkünfte effizient und effektiv werden zu lassen.

Zwei Dinge sollten Sie unbedingt vermeiden

Sie müssen vermeiden, dass die Mastermind-Treffen zu einerseits Treffen der Selbstbeweihräucherung und andererseits zu Treffen des kollektiven Jammerns werden.

Denn beides bringt Sie nicht weiter. Sie möchten Hilfestellung bei Herausforderungen erhalten? Dann müssen Sie Feedback annehmen und reflektiert in Ihrer täglichen Arbeit anwenden. Jammern und ständiges Nörgeln darüber, wie böse die Welt da draußen doch ist, bringt niemanden weiter.

Wenn Sie in der Gruppe aber immer nur davon sprechen, wie toll und unfehlbar Sie doch alle sind, dann entwickeln Sie sich zum einen nicht weiter und zum anderen werden die Treffen dann schnell langweilig werden.

Um das zu vermeiden, sollten Sie mit jedem Treffen Ihre Komfortzone ein Stück weit hinter sich lassen und sich einen Schritt weit aus Ihrem Kuschel-Bereich herauswagen.

Hartes Feedback Ihrer Mitstreiter wird Sie zwar zunächst treffen, hinterfragen Sie aber immer, was Sie von diesem Feedback für sich annehmen und umsetzen können. Das bringt Sie langfristig weiter. Feedback, das sie nach reiflicher Überlegung nicht umsetzen, hat gedanklich auch Ihren Horizont erweitert und kann beim nächsten Problem möglicherweise helfen.

Fazit

Obwohl ich aktuell in keiner Mastermind-Gruppe Mitglied bin, kann ich diese Methode nur weiterempfehlen. Eine großartige Methode, Ideen ohne Scheuklappen, Betriebsblindheit oder internen Zwängen zu diskutieren und so zu ganz neuen Ansätzen zu kommen.

Sie können damit genauso verhindern, dass Sie mit einer Idee, die Ihnen absolut großartig erschein, in Ihrer Firma vor eine Wand rennen oder die Umsetzung aufgrund eines Denk- oder Konstruktionsfehlers scheitert, indem Ihre Mitstreiter Ihre Pläne vorab auf Herz und Nieren prüfen.


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